Deutschrap an der Mittelschule

In Lauingen gibt ein kanadischer Sänger einer Klasse eine besondere Unterrichtsstunde Von Andreas Schwarzbauer

 

„Deutsch-Unterricht ist eigentlich langweilig, aber heute macht es viel Spaß.“Lars

Marco und Lars wippen mit dem Kopf im Takt der Musik. Dann beginnen die beiden zu rappen. Ihr Song handelt von einem Mann namens Jens, der Schrott repariert und mit seinen Ideen die Welt verbessern will. Als sie fertig sind, klatscht Michael O’Connell sie begeistert ab. O’Connell ist ein kanadischer Sänger und Gast in der Praxisklasse der Mittelschule Lauingen. Er möchte mithilfe von Musik Lars, Marco und ihren Mitschülern Deutsch beibringen.

LTTA (Learning through the Arts – Lernen durch Künste) nennt sich das Projekt. Kunst fungiert dabei als Katalysator beim Lernen. Mithilfe einer Kunstform – vom Singen oder Tanzen bis zur Bildhauerei – werden Lerninhalte in den Kernfächern Deutsch, Mathe oder Physik anschaulich vermittelt. Die Schüler ertanzen beispielsweise die Vergangenheitsformen von englischen Verben. Entwickelt hat diese Art des Lernens das Royal Conservatory of Music in Kanada.

 

In Lauingen sieht die erste Stunde so aus: Die Schüler sollen ein eigenes Lied schreiben. Doch das wissen die Jugendlichen zu Beginn der Stunde noch nicht. Ein wenig schüchtern sitzen sie im Kreis und hören sich die erste Aufgabe an. Sie sollen in einem bestimmten Rhythmus klopfen und klatschen – den Rhythmus des späteren Liedes. Verhalten machen die Schüler mit. Der Kanadier findet jedoch schnell einen Draht zur Klasse, obwohl er kaum Deutsch spricht. Er verständigt sich mit Gestik und Mimik und Klassenlehrerin Cornelia Burkard übersetzt.

Als die Klasse Wörter finden soll, die sich reimen, machen alle schon eifrig mit. Lars ist begeistert: „Deutsch-Unterricht ist eigentlich langweilig, aber heute macht es viel Spaß und ist interessant.“ Als Nächstes müssen sich die Schüler ihre Stärken und Schwächen überlegen, auf ein Blatt Papier schreiben und dann daraus vier Sätze bilden. In Zweiergruppen sollen sie zu jedem Satz ein Pendant finden, dass sich darauf reimt. Lars und Marco müssen lange grübeln. Marco fragt: „Was reimt sich denn auf Mensch?“ „Wensch, densch, lensch“, probiert Lars herum. Schließlich kommen die beiden Jungs auf Jens. Am Ende haben alle Gruppen einen Text ausgetüftelt und rappen ihn stolz ihren Mitschülern vor. Klassenlehrerin Burkard ist begeistert von der Unterrichtsstunde: „Das Ergebnis heute war immens.“ In der Praxisklasse säßen Schüler mit Sprach- oder Motivationsproblemen. Sie hätten heute aber alle mitgemacht und gute Texte zustande gebracht. Burkard sagt: „Das Gute an der heutigen Stunde war auch, dass sich keiner raushalten oder abschalten konnte. Man musste immer mitmachen.“ O’Connell bezog alle mit ein. Zudem hätten die Schüler ein Erfolgserlebnis gehabt. Cornelia Burkard möchte diese Übung auf jeden Fall nochmal machen – diesmal allerdings ohne Michael O’Connell. Denn der reiste gleich nach der Stunde in Lauingen weiter zu nächsten Schule. Doch Lars lädt ihn ein: „Er kann gerne wieder kommen.“